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Werke

Die Verklärung Christi; die Grablegung Christi

1512 stellte Lotto zwei große Altarbilder fertig, die die Prägung durch Bartolommeo kaum verheimlichen können: Die Verklärung Christi und die Grablegung Christi (auch Kreuzabnahme genannt). Bei der Grablegung zeigt Lotto nicht nur Einflüsse von Bartolommeo, sondern auch von Perugino, von dem Lotto die Haltung der Figur in der Bildmitte hinter Jesus übernommen hat: Die Arme sind zum Himmel gestreckt. Hier zeigt sich ein typischer Vorgang der kreativen Urheberrechtsverletzungen in der Malerei. Immer wieder entwickeln einzelne Künstler neue Darstellungen und Figuren, andere Künstler übernehmen diese Vorlagen.
Man kann bei diesem Mit- und Gegeneinander durchaus Parallelen zur heutigen Musikwelt finden. Entdeckt oder entwickelt jemand zum Beispiel einen neuen Gitarrenriff (Riff in der Musik: kurze, sich wiederholende Tonsequenz als Begleitspiel; Beispiel: der Gitarrenlauf bei Sweet Home Alabama von Lynyrd Skynyrd) oder einen bestimmten Sound oder Effekt, so kommt es vor, dass auch andere Musiker dies übernehmen. Dabei kann man wohlwollend von Inspiration sprechen, wenn die Elemente in die Kreativität des anderen Musikers einfließen und zu neuen Entwicklungen führen, oder abwertend von „Abkupfern“, wenn lediglich der Erfolg mit einer zweiten, dritten oder vierten usw. Variante wiederholt werden soll. Für Letzteres könnte man zum Beispiel die Version Who the f... is Alice von Living next door to Alice (Smokie) nehmen. Die Einspielung Who the f... is... wurde bei zahlreichen anderen Musikstücken wiederholt.
Für Maler (wie auch für Dichter und Komponisten) im 15. oder 16. Jh. gab es wenig Möglichkeiten, andere Künstler auf Schadensersatz zu verklagen, wenn kreative Elemente geklaut wurden. Andererseits konnte es dem Künstler, der sein Werk zu offensichtlich auf dem Talent anderer aufbaute, schlecht ergehen, wenn die Kundschaft dies bemerkte. Damit konnte seine Karriere als herausragender Künstler beendet sein, bevor sie überhaupt begonnen hatte.
Allerdings beeinflussten sich viele Künstler gegenseitig und gemeinsam entwickelten sie die Malerei fort – manche revolutionär, andere evolutionär.

Die Kreuzabnahme Christi

Religiöse Bilder hatten und haben nach wie vor – unter anderem – den Auftrag, die Ereignisse und Erzählungen der Bibel sowie diverser Legenden zu veranschaulichen. Sie helfen dabei dem Gläubigen bei der Erinnerung, aber auch bei der Verarbeitung. Trotz aller wissenschaftlichen und philosophischen Versuche können wir bei Fragen über das Leben mit allen Variationen von Freude und Leid, das Sterben, den Tod und über das, was ggf. darüber hinausgeht, auf keine gesicherten Antworten zurückgreifen. Letztlich konstruiert jeder eine eigene Antwort aus den Eindrücken des Lebens. Die Erzählungen anderer – die es letztlich auch nicht sicher wissen -, die Beobachtungen, Erklärungen der Kirche usw. geben mehr oder weniger wichtige Hinweise. Die Bilder und andere Formen der Darstellungen, die dem einfachen Menschen im ausgehenden Mittelalter - häufig gerahmt in imposanten Bilderrahmen - vor allem in Kirchen präsentiert wurden, visualisierten das Menschsein. Nicht wenigen wird dabei der Blick auf die Gesichter der Nebenfiguren wichtiger gewesen sein, als die Betrachtung von Christus, Engeln, Heiligen usw. Dass die Gesichter der Nebendarsteller manchmal denen der verehrten Kirchenführer oder der Spender ähnlich sahen, mag nicht immer hilfreich gewesen sein, sofern dies bekannt war.
Wie mag es den Angehörigen von Jesus am Ende des Tages seiner Kreuzigung ergangen sein? Auf solche und ähnliche Fragen boten die Gemälde Erklärungsversuche. So konnte sich der Betrachter hineinversetzen in die Szene. Die Rolle von Jesus, einem Heiligen oder andere Elite-Figuren hätte man sich nicht zu erdenken getraut. Aber die Szenen leben oft von den Nebenpersonen. Lotto hat hier in einer eindrucksvollen, plastischen Art Figuren erschaffen, die den Betrachter nicht überfordern. Gestalten, deren Mimik und Gestik dem Zuschauer sagen: Du bist nicht allein in deinem Leid. Uns ergeht es ähnlich. Auch wir können diesen Moment kaum ertragen. Erlebe uns in unserer Unvollkommenheit.
In der heutigen Zeit ist hier vermutlich eher die Musik, vor allem Pop und Rock, sowie Kino, Fernsehen und Literatur geeignet, dem (jungen) Menschen über das Menschliche zu erzählen. Wenn schulische und elterliche Erziehung Erfolg haben soll, dann muss der Heranwachsende nicht nur mit Wissen vollgestopft werden, als wolle man eine Uhr bis zum Anschlag aufziehen, damit sie dann möglichst lange läuft. Um in der Welt zurechtzukommen benötigt der Mensch auch noch Identität und Lebenskompetenz. Nicht wenige Eltern und Lehrer verzweifeln heute daran, auf die seelische Entwicklung des Menschen erfolgreich Einfluss nehmen zu können und müssen mitansehen, dass die Pubertierenden oft bereit sind, dieselben Aussagen (Lebensweisheiten) vorbehaltlos anzunehmen, nur weil sie von einem Popstar oder Schauspieler stammen.
Im Mittelalter und noch bis in die Moderne hinein waren Heilige für viele Menschen das, was heute Popstars für Jugendliche sind. Nicht umsonst bevölkern zahlreiche (italienische) Heilige die Bilder von Lotto und anderen Künstlern.







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