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Lottos Religiosität

Über die Position zur Kirche ist viel diskutiert worden. Immerhin lebte Lorenzo Lotto zu Beginn der Kirchenspaltung durch Martin Luther. Nachgewiesen ist Lottos Begeisterung für die katholische Kirche. Zum anderen zeigt sein Rechnungsbuch, wohl seine wichtigste Hinterlassenschaft abgesehen von seinen Werken, dass er auch für Protestanten malte. Seine religiöse Tendenz zeigt sich wohl am stärksten in seiner Verbundenheit zu den Dominikanern, denen er 1552, rund fünf Jahre vor seinem Tod beitrat. Lottos Werke zeugen auch von der Auseinandersetzung mit relgiösen und philosophischen Schriften unterschiedlichster Couleur. Man geht davon aus, dass er auf die umfangreiche Privatbibliothek Bernardo de Rossis zurückgreifen konnte. Rossi hatte selbst durch eigene Schriften das kulturelle Leben seiner Zeitgenossen beeinflusst. In seiner Sammlung befanden sich Werke von Autoren aus der Antike, wie beispielsweise Cicero, Seneca und Horaz.
Die Auseinandersetzung mit den Aussagen der Kirche und den klassisch-antiken Autoren, der Einfluss durch andere bedeutende Künstler seiner Zeit erklärt wohl das rastlose Leben Lottos und den stetigen Wechsel des Stils. Vielleicht unterscheidet sich in diesem Zusammenhang auch Lotto von den Revolutionären wie Michelangelo und Da Vinci. Lotto sog auf, was ihn begeisterte, er probierte und legte sich letztlich nie fest auf eine bestimmte Richtung.