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Kunst im Mittelalter

Das Erlebnis optischer Darstellungen im ausgehenden Mittelalter

Hier sind einige Überlegungen zum Alltag vor 500 bis 1000 Jahren angebracht. Zur damaligen Zeit, als es noch kein Fernsehen, Radio und Internet gab, bestand das Leben der meisten Menschen aus viel Arbeit zur Sicherstellung der Grundbedürfnisse und wenig Freizeit. Diese Freizeit war wiederum überwiegend religiös geprägt. Abgesehen von den Geschichten und Legenden, die innerhalb der Familie weitererzählt wurden, waren vor allem die Erzählungen der Kirche ein beeindruckendes Element der kargen Freizeit. Heute würde man „Erzählungen“ mit Informationen übersetzen und möglicherweise auch dem vielleicht etwas naiven Glauben hinterherhängen, dass Informationen präziser seien, als die Erzählungen der damaligen Zeit.
Diese Geschichten wurden wortgewaltig durch Priester verbreitet. Die optische Darstellung unterlag fast ausschließlich den Bildern, Skulpturen und Wandmalereien der Künstler. Man kann sich kaum in die Situation hineinversetzen, als die Menschen im 15. und 16. Jahrhundert relativ plötzlich Menschen sehen konnten, die zum einen schon lange tot waren und zum anderen ihre Phantasien beflügelten. Figuren aus der Bibel und unzählige Heilige konnten (vor allem) in Kirchen betrachtet werden und auf einmal wirkten sie lebendiger denn je. Kreuzigungsszenen präsentierten die volle Grausamkeit und das bisher nur unzureichend in Worte gefasste Leid des Jesus Christus und seiner hilflosen Begleiter. Man mochte fast glauben, der Künstler sei mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit gereist.

Gemälde, Skulpturen und andere künstlerische Werke waren praktisch die einzigen visuellen Kommunikationsmittel. Die, wenn auch alltägliche, so doch sehr religiöse, mystische, die beeindruckende und Angst verbreitende Welt der Kirche mit ihren imposanten Größen, Formen und Farben mag sowieso schon eingeschüchtert haben. Nicht nur den einfachen Kirchgänger, der allsonntäglich seinen Dienst absolvierte - auch die Künstler.

Künstler und Kirche

Für die Maler gab es unterschiedliche Situationen, die ihre besondere Verbindung zur Kirche ausmachten. Anzunehmen ist, dass manche Maler von Ergriffenheit über ihr eigenes Talent erfüllt waren. Andere ergossen sich in Stolz oder auch Hochmut, so etwas malen zu dürfen. Wieder andere wurden von Zweifeln über den Wahrheitsgehalt der Kirche und deren Vertreter erschüttert, jetzt, da sie als Künstler einen Blick hinter die Kulissen werfen konnten und vielleicht die große Show erkannten, die man seitens der Prediger den einfachen Menschen bot, um sie als treue Gefolgsleute zu erhalten.
Wenn man sich einige Gemälde der vielen Künstler aus der Zeit zwischen etwa 1400 und 1600 anschaut, so stellt man nicht nur den relativ rasanten Qualitätsschub fest, der sich vor allem dadurch zeigte, dass Maler nun befähigt waren, das zu malen, was sie sahen. Zu sehen ist auch die Auseinandersetzung mit der Religiosität. Nicht jedem Künstler wird es gefallen haben, dass er sein Leben überwiegend durch Bilder mit religiösen Motiven finanzieren musste. Und manch einer wird über den Frust vergessen haben, in welch luxuriösem Leben er zu Hause war und sich nicht täglich das Essen selbst herstellen musste.

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