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1526 Venedig

1526 kehrte Lotto nach Venedig zurück und malte an vielen unterschiedlichen Projekten (Gemälde, Fresken usw.). Hier war es nun vor allem Tizian, dessen Farbgestaltung Lotto beeinflusste. Tiziano Vecellio, ca. 1477/90 bis 1576 gilt als der bedeutendste Maler der Hochrenaissance in Venedig, dessen Malstil vor allem durch die prägnante Farbgestaltung auffiel. Auf ihn geht auch die Farbe tizianrot zurück. Der Malstil eignete sich vor allem zur Darstellung des Edlen.
Dies wird zum Beispiel bei Lottos Portrait einer Venezianerin als Lucrezia von 1533 deutlich. Es gelingt dem Maler hier hervorragend, die aufwändige Kleidung der Trägerin darzustellen. Vergleicht man diese Farbgestaltung mit der, die Lotto knapp 30 Jahre zuvor bei dem Bild Altar der Santa Cristina al Tiverone im Hauptbild zeigt, so wird die Entwicklung deutlich. Bei dem Altarbild sind die Farben plakativ und dominant. Bei dem Portrait wirken sie bis ins Feinste differenziert. Allerdings offenbart erst der Vergleich die Entwicklung. Noch prägnanter ist der Unterschied in der Farbgestaltung zwischen dem genannten Altarbild und der Rosenkranzmadonna von 1539. Über der Madonna ist mit 15 Bildern der Kreuzweg dargestellt. Lotto gelingt es sowohl durch die aufgeräumte Gestaltung als auch durch die differenzierte Farbgebung der drohenden Überfrachtung des Bildes entgegenzuwirken. Überraschend ist das blaue Gewand der Gottesmutter mit dem Kind. Nicht unbedingt die Farbe als solche verwundert. Neben roten Gewändern gehören blaue Gewänder zu den häufigsten Farben, die für die Kleidung von Maria verwendet wurde. Doch Lorenzo Lotto präsentiert hier eine Farbgestaltung, die die Hauptperson in dezenter und zugleich kraftvoller Weise, so zusagen in vornehmer Zurückhaltung in den Mittelpunkt setzt. Das nackte Jesuskind setzt sich deutlich ab. Die Sicherheit im Umgang mit Formen und Farben zeigt sich auch in dem Porträt der Laura da Pola, Gemahlin des Febo da Brescia von 1543.